Willkommenskultur braucht Willkommensstruktur!

Warum die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Eckernförde jetzt hauptamtlich koordiniert wird.

In Eckernförde haben sich derzeit etwa 160 Ehrenamtliche im Rahmen der Initiative Willkommen in Eckernförde bereit erklärt, Flüchtlingen bei der Integration zu helfen. Etwa 400 Flüchtlinge, viele davon aus dem Umland, werden von ihnen derzeit unterstützt.

Um sinnvoll helfen zu können, müssen diese Ehrenamtlichen regelmäßig über aktuelle Entwicklungen informiert werden und manchmal auch Vorschläge zum persönlichen Engagement erhalten. Diese Aufgabe übernehmen ab sofort Jannike Bönsch und demnächst – sofern die Ausländerbehörde / Arbeitsagentur der Beschäftigung zustimmt - Mohammed Abotaleb, der selbst Flüchtling ist und seit knapp einem Jahr in Eckernförde bereits in Teilzeit Flüchtlinge als Integrationslotse unterstützt. Viele Menschen in Eckernförde schätzen das freundliche und geduldige Auftreten des Jemeniten, der in Heidelberg Wirtschaftswissenschaften studiert hat. Gelebt hat er bis zum Sommer 2015 in Sanaa im Norden des Jemens und war dort ein erfolgreicher Reise-Veranstalter, bis er in das Visier von Al Quaida geraten ist und zwei Bombenattentate nur knapp überlebt hat. Mohammed Abotaleb, der muttersprachlich Arabisch beherrscht, wird auch die Aufgabe zufallen, Zugewanderte mit einem Integrationsvorsprung zu ermuntern, andere zu unterstützen. Laut dem Freiwilligensurvey der Bundesregierung[1] sind neu Zugewanderte in weitaus geringerem Maße ehrenamtlich engagiert als Menschen, die in Deutschland geboren worden sind. Dabei ist die Bereitschaft durchaus vorhanden und wird in Eckernförde auch häufig gelebt, aber oft fehlt die „Schnittstelle“, sich entsprechend einbringen zu können.

Gerade Menschen mit frischer eigener Migrationserfahrung können für Flüchtlinge eine wertvolle Hilfe sein. Darum soll die Koordinationsstelle nach Wunsch des Trägers UTS eV zumindest zu 50% mit jemandem besetzt sein, der selbst über eine aktuelle Zuwanderungserfahrung verfügt. 

All das trifft auf Jannike Bönsch als Ur-Eckernförderin nicht zu. Aber sie hat in Kiel Germanistik und Pädagogik studiert, hat intensive Erfahrungen mit der Betreuung von zugewanderten Kindern und Jugendlichen, und ist zugelassen als Lehrkraft in Integrationskursen.

Zusätzlich bestehen in Eckernförde vielfältige weitere Initiativen der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe, die bisher niemand systematisch erfasst hat. Darum wird eine der ersten Aktivitäten der beiden darin bestehen, eine Willkommensmappe zu erstellen. In dieser mehrsprachigen Lose-Blatt-Sammlung sind dann alle Angebote enthalten, die sowohl für Einheimische wie auch für Zugewanderte in der Flüchtlingshilfe interessant sind.

Jannike B. und Mohammed A. teilen sich eine 50% - Stelle, beide sind also zwar hauptamtlich, aber nicht besonders umfangreich – jeweils weniger als 10 Stunden/ Woche - beschäftigt. Ihre Arbeit wird finanziert durch das Sozialministerium des Landes SH.

Zu erreichen ist die Koordination unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!,

 

Regelmäßige Beratungszeiten für Ehrenamtliche werden ab sofort Mo & Fr 9 – 11:30 Uhr in der Kieler Str. 35 sein, ein Angebot für den Nachmittag wird angestrebt. Aber bei den Willkommens-Cafes wird ab Februar zuverlässig mindestens eineR von den beiden anwesend sein – am Donnerstag 16.2. Jannike Bönsch. Und bei der Eröffnungs-Veranstaltung im Frühjahr, für die noch gesondert eingeladen wird, sicherlich alle beide. Denn das die Zusammenarbeit beiden Spaß macht, ist offensichtlich.

 

 

 

Koordinieren Ehrenamtliche hauptamtlich: Jannike Bönsch, Mohammed Abotaleb